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Zwischen Stress, Stolz und Horror

Als die ersten Proben für das Musical „Auf dem Weg zum Stall“ begannen, war ich tatsächlich ein wenig aufgeregt. Nicht sonderlich intensiv und auch nicht ängstlich, sondern mehr im Sinne von „freudig erregt“. Besonders gespannt war ich auf die Reaktion der Musiker. Denn sie waren die ersten, die Noten erhielten, üben mussten und auch die allererste Probe fand nur mit den Instrumenten statt.

Der Stress

Kurz zuvor musste ich aber aus dem Stehgreif noch zwei weitere Instrumenten-Stimmen aus dem Hut zaubern. Erfreulicherweise hatten zwei weitere Musiker ihre Teilnahme angemeldet und so schrieb ich spontan eine zweite Trompetenstimme sowie ein paar nette Posaunen-Töne auf.

Als dann alle Musiker vor mir saßen und sich nach und nach zeigte, dass fast alle meine Ideen, die am Computer einigermaßen vernünftig klangen, tatsächlich zusammenpassten, war ich sehr glücklich. Und heiser, denn mich plagte eine fürchterliche Erkältung und das Mitsingen der Liedtexte gab meiner Stimme an diesem Abend den Rest.

Wenige Wochen später begannen dann die Proben mit dem Kinder-Eltern-Chor. Rund 30 Anmeldungen waren eingegangen und sorgten so für viele glückliche Mitarbeiter. Ich hingegen hatte Zweifel: War das, was ich mir da an Texten und Musik ausgedacht hatte, was sowohl Kindern als auch Eltern gefallen sollte, wirklich gut? Erreichten Texte und Musik die Herzen der Kinder? Langweilten sich womöglich die Eltern?

Der Stolz

Es gab vorher bereits einige positive Rückmeldungen von Seiten der Musiker und Mitarbeiter. Es sei alles toll, die Musik klänge gut und überhaupt sei die Geschichte wundervoll. Ich freute mich über dieses Lob, war aber skeptisch. Denn schließlich gab es kein Alternativ-Musical und so meldete eine leise Stimme in meinem Kopf Zweifel an den Aussagen all dieser lieben Menschen an.

Nach der zweiten Chorprobe kam ein Mädchen zu mir. Es stellte sich vor mich, guckte mich an und fragte: „Hast du das Musical geschrieben?“ Wahrheitsgemäß antwortete ich natürlich mit „Ja“. Sie strahlte mich daraufhin an und sagte: „Ich finde die Lieder total toll.“ Sprachs, drehte sich um und ging nach Hause. Ich stand etwas verdattert vor meinem Notenpult und packte verlegen meine Sachen ein. Die leise Stimme in meinem Kopf meldete sich seitdem nicht mehr.

Der Horror

Um den Kindern die Möglichkeit zu geben, irgendwie die Lieder zu Hause zu üben, hatte ich an einem ruhigen Sonntag-Abend alle Lieder aus dem Musical aufgenommen. Nur Klavier und Gesang und nur für diesen einen Zweck. (Hörpobe gefällig? Die gibt es hier.) Die Auswirkungen dessen hatte ich aber nur so halb bedacht.

Immer, wenn unsere Kinder neue CDs bekommen, digitalisiere ich diese und übertrage die Dateien auf ihre Kinderzimmer-Tablets (die nahezu ausschließlich dem Musikhören dienen). Da alle drei beim Musical mitmachen, hatte ich auch ihnen diese Aufnahmen aufgespielt, dies aber vergessen zu erwähnen. Nun fanden sie an einem Nachmittag beim Spielen plötzlich die ihnen unbekannte „CD“ und ich hörte den verwunderten Ausruf „Das ist ja Papa!“ durchs Haus schallen.

Tagelang hörte ich mich dann aus jedem Kinder-Zimmer (natürlich immer etwas zeitversetzt) selbst singen. Die Aufnahmen waren qualitativ nicht gut, weder Klavier noch Gesang waren perfekt und dann hört man sich selbst ja meistens auch nicht so gern auf Aufnahmen. Kurzum: Es war ein wenig gruselig. Aus den Erzählungen anderer Eltern erfuhr ich, dass es in ihren Kinderzimmern ähnlich zuging. Aber alle Kinder schienen begeistert zu sein. Und mit der Zeit gewöhnte ich mich daran.

Außerdem: Sooft, wie ich mittlerweile die Kinder in den Schlaf gesungen habe („Was möchtest du zum Einschlafen hören?“ – „Papa…“), war das mal sinnvoll investierte Aufnahme-Zeit.


In dieser Reihe berichte ich vom Entstehen des Weihnachtsmusicals „Auf dem Weg zum Stall“ – von der ersten Idee bis hin zur Uraufführung. Weitere Informationen zu dem Musical finden sich auch unter www.felsenmusik.de.

Veröffentlicht in Auf dem Weg zum Stall

Titelbild: © Sebastian Stein

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