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Will ich nicht wissen!

Wenn man viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, stößt man unweigerlich auf die seltsamsten Typen. Nicht weil seltsame Menschen kein Auto fahren, sondern einfach nur wegen der statistischen Wahrscheinlichkeit. Und außerdem trifft man im Auto selten einem unbekannte Personen – es sei denn man ist Taxifahrer. Manchmal hört man dann auch unweigerlich Telefonate mit. Sätze wie „Ich bin gleich da.“ oder „Ich will eigentlich noch duschen, aber ich schaffe das nicht mehr.“ sind da noch die harmlosesten.

Nun schaffe ich es eigentlich auch ganz gut, diese Personen und ihre Telefonate zu ignorieren, deren Gesprächsthema nicht zu folgen und mich weiter meiner Zeitung zu widmen. Aber als ich gestern nach Hause fuhr, wurde ich dann aber bei einem Satz hellhörig, der nicht alltäglich ist in Straßenbahn-Telefonaten. Denn dieser Satz zeugte von einem gewissen Unwissen über den Gesprächspartner. Der Satz stammte von einer weiblichen Person mit einem recht lauten Stimmorgan:

„Und was sind so deine Hobbies?“

So etwas fragt man nicht seine Freunde, nicht seinen Chef, nicht den Typen von der Gewinnspielhotline und auch nicht seine Mutter. Oder wer sonst auch immer auf dem Handy anruft. So etwas fragt man Menschen, die man nicht kennt. Menschen, von denen man nach zwei Minuten Telefonat ein Persönlichkeitsprofil erstellen will. Menschen, mit denen man zum ersten und vielleicht auch gleichzeitig zum letzten Mal spricht.

Damit die anderen Fahrgäste in der Bahn auch gut dem Gespräch folgen konnten, wiederholte die Dame (die ich leider aufgrund unglücklicher Sitzplatzkonstellation nicht sehen konnte) auch noch die Antworten ihres Gesprächspartners:

„… Mh … (leiser) Fitness … (lauter) Telefonieren ja wohl sowieso!“

Da hatte das Telefondate wohl gerade noch mal das Ruder rumreißen können. Fitness schien nicht so auf Gegenliebe zu stoßen, der Nachsatz „Ich telefoniere gerne.“ rettete aber erst einmal die Situation.

Was danach kam, habe ich nicht mehr so ganz mitbekommen, weil endlich die Abteilung meines Gehirns aus der Mittagspause zurück kam, die für Durchzug und das Ignorieren von Telefonaten anderer Personen zuständig ist. Anscheinend schlug der Gesprächspartner vor, dass man sich in einem Café in der Innenstadt mal treffen könnte. Der Name des Cafés wurde zwar nicht begeistert, aber doch immerhin wissend bestätigt.

Ob die Person am anderen Ende der Leitung männlich oder weiblich ist, erschloss sich aus den Gesprächsteilen, die ich mithören konnte, nicht. Es hätte mich auch nicht interessiert. Mir stellt sich seitdem nur die Frage, wieso man solche Gespräche nicht einfach zu Hause führt, wo nicht alle Welt mithören kann. Ich finde es ja schon unangenehm in öffentlichen Verkehrsmitteln „normale“ Gespräche wie „Ich bin gleich zu Hause.“ oder „Ja, ich kann noch beim Bäcker ein Brot besorgen.“ zu führen. Und dann solche Telefonate… Ein kleines bisschen Privatsphäre wird ja wohl noch drin sein, oder?

Veröffentlicht in Steinschlag

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