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Vorbeigegangen

Ich gebe zu: Ich könnte sicherlich ab und an ein paar mehr Komplimente verteilen.

Komplimente an Mitarbeiter in der Gemeinde („Das hast du toll organisiert. Vielen Dank!“), Komplimente an meine Kinder („Gut gemacht!“) oder auch an meine Frau („Schön siehst du aus!“).

Letztere, also die mir angetraute Gattin, ist da häufig besser als ich, auch wenn ich als Norddeutscher nicht unbedingt immer alles verstehe, was die Tochter eines unterfränkischen Buchbinders mir da sagen will.

Nun durfte ich ihr in den letzten Tagen einen Verband anlegen. Wichtig war das Handgelenk, aber letztlich sollte der gesamte Unterarm unter weißem Stoff verschwinden.

Ich fing also an zu wickeln, als wenn ich ein altägyptscher Experte für Mumifizierung wäre, der Tutanchamun für die letzte Reise in die ewigen Jagdgründe vorbereiten sollte: Erst den eklig-matschigen Zink-Verband, dann noch weitere Schichten verschiedenster Verbandsarten. Warum das nicht einfach der Arzt gemacht hätte, der ihr das Zeugs mitgegeben hat? Keine Antwort.

Glauben Sie mir, werter Leser: Es gibt für mich wahrlich schöneres, als andere Menschen einzucremen, einzubinden oder zu pflegen. Auch wenn ich das alles in diversen Ersthelfer-Kursen öfter schon mal gelernt habe, so bin ich wahrlich kein Fan davon. Es hat schließlich Gründe, warum ich einen Büro-Beruf gelernt habe.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Während wir da noch so saßen und ich den Arm meiner geliebten Frau einwickeln durfte, meinte sie völlig unvermittelt: „Sieht doch gut aus. An dir ist ein Krankenpfleger vorbeigegangen.“

„Nun“, erwiderte ich, „das kann schon sein. Ich weiß nicht, ob es heute war, aber in den letzten Wochen ist das mit Sicherheit irgendwo mal passiert.“

Wenn das Erlernen einer Fähigkeit von der bloßen Anwesenheit zweier Personen (einer Wissenden und einer Unwissenden) am gleichen Ort abhängig ist, dann wüsste ich gerne, warum ich so wenig Talent bei Fremdsprachen habe. Irgendwann muss mir doch mal ein Englisch-Lehrer begegnet sein. Und wieso sollte ich als Kind eigentlich so viel Klavier üben? Das hätte ich doch durch die Anwesenheit der Klavierlehrerin quasi von allein lernen müssen. Oder konnten meine Klavierlehrerinnen und -lehrer womöglich alle gar nicht Klavier spielen? Nun, es wird sich nicht mehr herausfinden lassen.

Eines ist aber sicher: An mir ist ein Krankenpfleger vorbeigegangen und ich kann ganz passabel Unterarme verbinden – egal ob es da einen Zusammenhang gibt oder nicht.

Veröffentlicht in Steinschlag

Titelbild: © Maaark / Pixabay.com

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