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Klebrig

Im späten Frühling blüht der Holunder. Wer an so einem Strauch vorbeigeht, kann ihn sofort riechen. Oder auch hören, denn es könnten Unmengen an Bienen in ihm unterwegs sein. Die großen, weißen Blütenstände locken also Mensch und Tier gleichermaßen an.

Seit einigen Jahren versuchen wir, den Höhepunkt der Holunder-Blüte abzupassen und dem Strauch im Garten meiner Mutter eine Vielzahl seiner Reproduktionsansätze zu „klauen“. An diesem Satz sind gleich zwei Dinge falsch. Erstens ist es eher ein Baum als ein Strauch und zweitens nennen wir es nicht „klauen“ sondern „ernten“. An den später wachsenden Früchten hat bei uns kaum jemand Interesse, daher findet die Ernte hier schon während der Blütezeit statt. Aus den geernteten Blüten entsteht dann nach einem recht simplen, aber großartigem Rezept ein Sirup, der uns das ganze Jahr erfreut.

In diesem Jahr gab es bei der „Ernte“ aber ein großes, klein-schwarzes Problem: Blattläuse. Unzählige dieser kleinen Schädlinge saßen in dem Strauch. Einige Äste waren aufgrund der vielen kleinen Krabbler nicht mehr zu sehen und auch in den Blütendolden hatten sie sich niedergelassen.

Während ich mit der Schere auf der Leiter stand und die Dolden „pflückte“, störten sie gar nicht so sehr. Außer ich fasste versehentlich mitten in eine Kolonie hinein, dann stieg der Ekelfaktor doch ordentlich an.

Der Hollunder-Friseur

Nach erfolgreicher Ernte hockte ich unter dem Strauch und versuchte, möglichst viele der Tierchen in der freien Natur zu lassen. Denn mein Situp benötigt keine Eiweiß-Lieferanten. So saz ich da und schnippelte fröhlich an Blütendolden herum: Die Blüten landeten in der Dose, Stiele mit den Blattläusen im Müll. Währenddessen entstand bereits die Werbeslogans für meinen Holunderblütendoldenfriseursalo: „Haben Sie ein Läuse-Problem? Wir helfen Ihnen!“

Natürlich war es kaum möglich, während dieser Beauty-Behandlung tatsächlich alle Läuse zu erwischen. Und so landeten letztlich doch ein paar Tierchen mit im Topf. Zuerst kamen sie dabei in den Luxus eines 24-stündigen Bades in Wasser. Anschließend wurden sie mit anderen nicht unbedingt genießbaren Teilchen herausgefiltert, so dass letzlich eine klare Flüssigkeit übrig blieb. Diese aufgekocht mit (viel) Zucker und Zitronensäure ergibt den leckeren, klebrigen Sirup.

Apropos klebrig: Wer sein Auto schon einmal unter einem von Läusen okkupierten Baum geparkt hat, weiß, dass man anschließend eine Waschstraße benötigt. Denn der Kot der Läuse (auch romantisch „Honigtau“ genannt) ist wahnsinnig eklig klebrig. Nun gelangten ja auch einige Läuse mit in meinen Sirup-Ansatz und vielleicht ist der Sirup dieses Jahr deshalb besonders klebrig.

(Dank diesem letzten Satz wird mir womöglich niemand etwas von meinem Sirup klauen. *hier ein diabolisches Lachen einfügen*)

P.S.: Gibt es eigentlich schon kombinierte Beauty-Koch-Blogs oder habe ich das gerade erfunden? Das wäre dann noch eine weitere Blog-Kategorie, in der ich nicht aktiv sein möchte.

Veröffentlicht in Steinschlag

Bildquellen

  • Holunderblüte: Sophia Hilmar / Pixabay.com

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