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Filmvorführer

Es gibt bis heute den ehrenwerten Beruf des Filmvorführers. In Lichtspieltheatern (auch banal „Kino“ genannt) haben Menschen dieses Berufsstandes zwar eine wichtige Position inne, allerdings möchte ich doch mal behaupten, dass der Job vor 100 Jahren sehr viel komplizierter war. Filmvorführer kann in unseren modernen Zeiten eigentlich jeder werden. Es gibt keine gesetzlich geregelte Ausbildung dazu und wer den Duft von Popcorn und klebrige Teppiche mag, ist eigentlich wie geschaffen für diese Tätigkeit.

Filmvorführer findet man aber nicht nur in Filmtheatern, sondern auf nahezu jeder Couch. Das wahllose Herumdrücken auf irgendwelchen Knöpfen auf Fernbedienungen um bei einem Fernsehsender „Not“ und bei einem anderen Kanal „Elend“ elegant weg zu zappen oder aber auch das liebevolle Drücken der „Play“-Taste zum Start der Lieblings-DVD machen einen jeden von uns zum modernen, selbstständigen Filmvorführer. Früher, als nur ein, zwei oder drei Programme über die zumeist farblose Mattscheibe flimmerten und der Begriff „Fernbedienung“ nicht einmal in Träumen existierte, musste man aufstehen, sich zu dem platzraubenden Gerät bewegen und – je nach Gerät, Anwendungswunsch oder Gemütszustand – einen Knopf drücken, drehen oder heraus reißen um das Programm zu wechseln, den Fernsehapparat aus zu schalten oder seinen Frust über das wiederholt miserable Spiel seiner Lieblingsmannschaft heraus zu lassen.

Reiche Menschen hatten ihre Angestellten für solch mühevolle Tätigkeiten – sei es der Butler, das Zimmermädchen, die Köchin oder die eigene Frau. Diese waren somit quasi die ersten Filmvorführer, die den Titel „Fern-Bediener“ verdient gehabt hätten, denn schließlich bedienten sie ein Gerät in der Ferne.

Bei den intelligenten Nachfahren des Fernsehers (den Computern) erübrigte sich das Problem relativ schnell, denn schließlich verwendet man hier Eingabegeräte wie Tastatur, Maus, Joystick oder auch die Gott-gegebene Stimme zur Eingabe, Steuerung oder ähnlich wertvollen Aktivitäten. Fern-Bediener, Filmvorführer oder auch moderne Fernbedienungen sind überflüssig und werden dank Touch-Screen sogar immer überflüssiger.

Touch-PCEin Gerät, über welches ich heute zufällig dank einer Werbeanzeige auf Facebook gestolpert bin (s. links), scheint die Notwendigkeit eines Fern-Bedieners wieder Wirklichkeit werden zu lassen. Denn eine miese Laune der Natur (bzw. ein Unternehmen aus Dreieich) sowie der Touch-Display-Wahn moderner Geräte brachte einen 46-Zoll-Touch-Screen-PC auf diese Erde. Bei dieser stattlichen Bildschirmdiagonalen von 116 cm will doch niemand die Touch-Screen-Tastatur zur Beantwortung einer E-Mail nutzen. Und ist das nicht unglaublich schlecht für die Augen, wenn man so dicht für dem Bildschirm sitzen oder stehen muss?

Dahingegen muss ein tolles und vor allem aktives Spielgefühl bei Spielen wie „Moohrhuhn“ oder „Tetris“ an solch einem Monitor entstehen und auch die Navigation auf einem der unzähligen Kartendienst-Portale bekommt Ausmaße eines Abenteuer-Trips.

Zum Transport ist dieses Monstrum nicht gedacht – es wiegt einfach zu viel. Und von dem Maßen her wird es wohl weder in der Handtasche das Smartphone noch im Rucksack das Netbook oder Notebook ersetzen können.

Und natürlich hat sich der Hersteller auch irgendwas bei der Entwicklung gedacht: Geräte dieser Art sollen auf Messen, Konfernzen und Büros zum Einsatz kommen – also dort, wo viel präsentiert und vor allem in den Präsentationen herumgemalt wird. An sich also ein sinniges Gerät, für den Heimgebrauch aber eher ungeeignet, es sei denn man verfügt über einen Fern-Bediener oder Filmvorführer.

Veröffentlicht in Steinschlag

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