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Die Sache mit der Katze

Nachts, wenn wir schlafen, wird aufgeräumt. Leider nicht in unserer Küche oder im Arbeitszimmer, es putzt auch niemand die Fenster oder saugt noch mal schnell durch. Nein, während wir schlafen wird in unserem Kopf aufgeräumt. Damit unser Gehirn nicht überläuft sorgen irgendwelche Prozesse dafür, dass neu erworbenes oder bereits länger gespeichertes Wissen entweder archiviert oder in die Tonne gehauen wird. Ich stelle mir da so interdisziplinäres Team aus System-Administrator, Archivar (natürlich mit Beamten-Status) und Müllmann vor, die immer nachts durch meinen Kopf ziehen und für Ordnung sorgen. Dabei entwickeln sich vermutlich ganz amüsante Dialoge.

„Hey! Ich hab hier was neues gefunden“, schallt es aus irgendeiner Ecke Windung des Gehirns. Der Müllmann ist beim Durchfegen über etwas gestolpert, dass er nicht kennt.
„Was ist es denn?“ ruft der Archivar zurück, der gerad verzweifelt nach der Erinnerung an die letzte Position des verloren geglaubten Schlüsselbunds sucht.
„Hier steht: ‚Äpfel, Bananen, Mett, Kartoffeln, Milch…“
„Das ist die Einkaufsliste für morgen. Die brauchen wir noch!“ nuschelt der Systemadministrator.
„Ja, aber hier ist kein Platz mehr in der richtigen Abteilung“, erwidert der Archivar und versucht verzweifelt, irgendwie Platz im Regal mit der Aufschrift „Unbedingt merken“ zu schaffen.
Der Müllmann kommt mit der Liste und versucht sie, irgendwie in das Regal zu bekommen. Nach einigem Quetschen und drücken ist die halbe Liste im Regal verstaut, der Rest baumelt herunter. „Na bitte, passt doch.“
„Aber so kann das unmöglich bleiben, hier darf nichts aus dem Regal ragen!“ wendet der Archivar ein.
„Na gut, dann passt eben nur die Hälfte“, entgegnet der Müllmann, schneidet die heraushängende Hälfte der Liste ab und wirft sie in den Aktenvernichter.
Der Archivar ist zufrieden und zieht eine Akte aus dem ebenfalls überfüllten Regal „Langzeitgedächtnis“ raus. „Mh, ‚Rechnen‘ – ich glaub, dass brauchen wir noch“, murmelt er und schiebt sie wieder zurück ins Regal.
Währenddessen düst der technikbesessene Systemadministrator auf seinem Segway durch die Gänge und rempelt dabei das Regal „Reflexe und Automatismen“ an. Ein paar Akten fallen auf den Boden und nur ein paar Sekunden später geht das Licht aus.
„Was ist denn nun los?“ Der Archivar kommt mit einer Kerze in der Hand angerannt. „Oh, Mann, was für ein Chaos… OK, was haben wir denn hier?“ Er bückt sich und hebt eine Akte auf. „‚Blinzeln‘ – die muss doch eigentlich da drüben stehen… Und was ist das hier? Ist ja kaum zu lesen… ‚Atmen‘. Ach ja, die gehört dahinten hin.“ Kaum steht die Akte wieder an ihrem Platz, geht auch das Licht wieder an.

Zugegeben, die Vorstellung ist etwas albern, aber so wäre zumindest erklärt woher nächtliche Atemaussetzer kommen und wieso man beim Einkaufen immer die Hälfte vergisst.

Nun hört man ja immer wieder, dass man bei dieser nächtlichen Verarbeitung der täglich erlebten Dinge auch träumt. Manchmal ist das sehr abstrakt, manchmal aber auch sehr plastisch und real wirkend.

Letzte Nacht habe ich zum Beispiel von einer Katze geträumt, die mir in den Finger beißt. Leider habe ich überhaupt keine weitere Beziehung zu Katzen, da ich zum einen auf Katzenhaare allergisch reagiere, zum anderen auch in näherer Vergangenheit nichts mit Katzen erlebt hatte. Auch hat mir im wirklichen Leben noch nie eine Katze oder ein anderes Tier derart in den Finger gebissen, dass ich dies nun Jahre später im Traum verarbeiten müsste.

Ich erinnerte mich aber heute früh daran, dass ich abends im Bett noch einen Artikel über den kürzlich verstorbenen Schauspieler Mihaly „Michu“ Meszaros gelesen hatte, dessen bekannteste Rolle die des Außerirdischen Alf ist, welcher – Sie ahnen was jetzt kommt – gerne Katzen isst. Ich habe die Serie „ALF“ nie wirklich gesehen oder verfolgt, daher bezweifle ich, dass dies des Rätsels Lösung für meinen seltsamen Traum sein soll.

Wenn aber doch ein Zusammenhang herstellbar ist, dann möchte ich mir gar nicht vorstellen, was beim hoffentlich nicht zu erwartenden Ableben anderer Schauspieler mit legendären Rollen in meinem Kopf passieren würde.

Veröffentlicht in Steinschlag

Titelbild: © Ben_Kerckx / pixabay.com

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