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Pfandraising

Sie fragen sich, werter Leser, was um alles in der Welt „Pfandraising“ sein soll? Nun – ich mich auch. Aber ich konnte es heute sehr deutlich auf einem an mich gerichtetem Schreiben lesen.

Wie immer versuche ich auch dieses Mal, Ihnen dieses seltsame sprachliche Ungetüm näher zu bringen. Denn dieses Wort betrifft uns alle.

Gut, eventuell auch nur viele von Ihnen.

Vielleicht auch nur ein paar wenige Personen, die diesen Blog überhaupt nicht lesen.

Aber da Sie ja gerad schon mitten in diesem Text sind, können ja zumindest Sie ihn zu Ende lesen.

Das Wort „Pfandraising“ stammt aus der wundervollen Sprachwelt der Finanzbuchhaltung und beschreibt dort die ungeahnten Möglichkeiten, aus ge- und verpfändeten Gegenständen das beste buchhalterische Ergebnis herauszuholen.

Jeder Supermarkt-, Discounter-, Kiosk- oder Straßenverkäufer kennt das leidige Problem mit Pfandflaschen: Man muss für einen verkauften Artikel mehr Geld kassieren, als er eigentlich kostet, damit irgendwann irgendjemand anderes dem Kunden Geld für die Rückgabe der leeren Verpackung gibt. Hier kommt also der erste Teil unseres heutigen Wortes her: „Pfand“.

Da das zuvor beschriebene Vorgehen aus Kundensicht durchaus mit Vernunft (im französischen: Raison) gesegnet ist, entstand hier die schöne, aber längst in Vergessenheit geratene Vokabeln „Pfand-Raison“. Es geht also ursprünglich darum, dass unser vorhandenes Pfand-System vernünftig ist.

Nun ist es aber so, dass nicht jede Flasche zurück gebracht wird und somit das Pfandsystem einen Überschuss erwirtschaftet. Und so entwickelte sich nach diversen Rechtschreibreformen, Rechtschreibreformzurücknahmen und Rechtschreibreformreformen aus „Pfand-Raison“ das Wort „Pfandraising“, welches genau dieses Phänomen beschreibt: Die Gewinnmaximierung durch nicht zurück gebrachte Pfandflaschen.

Sie finden diese Erklärung unsinnig, werter Leser? Dann muss ich Ihnen leider zustimmen: Diese Erklärung ist komplett an den Haaren herbei gezogen. In Wirklichkeit geht es um folgendes:

Beim Besuch des Gerichtsvollziehers sind manch einem schon diverse Gegenstände gepfändet worden. Wenn diese Dinge dann erst beim Gerichtsvollzieher lagern, später in einer Lagerhalle, dann im Auktionshaus, um dann im letzten Augenblick durch das Begleichen der ursprünglichen Schuld und der zusätzlich entstandenen Kosten vom eigentlichen Besitzer zurück geholt werden, so spricht man vom „Pfand-Reisen“ – der Wanderschaft eines gepfändeten Gegenstandes bis zurück zum Ausgangspunkt. (Sollte der Gegenstand hingegen doch einen neuen Besitzer finden, so nennt sich dies dann „Pfand-Auswanderung“.) Irgendwie ist daraus dann mal „Pfandraising“ geworden – vermutlich weil es irgendwie cooler und nicht so sehr nach Amtsdeutsch klingt.

Auch diese Erklärung finden Sie irgendwie seltsam? Mag sein, dass der Autor auch hier etwas zu viel Fantasie hatte. Aber vielleicht haben Sie ja eine bessere Idee, die Sie dann einfach in die Kommentare unter diesem Artikel schreiben dürfen.

Übrigens: Dass in dem mir zugegangenen Schreiben nicht „Pfandraising“ sondern „Fundraising“ gemeint sein könnte, möchte ich mit aller Vehemenz ausschließen – so einen albernen Fehler macht doch keiner, oder?

Veröffentlicht in Steinschlag

Titelbild: © StockSnap / Pixabay.com

2 Kommentare

  1. Thomas Thomas

    Pfandraising ist m.W. nach eine innovative Form des Fundraisings: Alte Konzepte wie Spendensammlung, Spendenlauf, Verkauf von Sitzplätzen, Balken, Fliesen oder Kuchen kennt ja so langsam jeder.

    Das neue beim Pfandraising ist jetzt, dass man pfandbehaftete Gegenstände wie leere Flaschen einsammelt und daraus einen großen Event gestaltet. Ein scheppernder Leergutumzug durch den Ort, ein Konzert mit unterschiedlich hoch gefüllten Flaschen, die kollektive Berechnung des durchschnittlichen Promillewertes der Spender und andere Dinge stärken die emotionale Bindung.

    Seine Tradition hat das Pfandraising übrigens in Posaunenchören und anderen Blasorchestern, die nach der Probe regelmäßig Getränke konsumieren und dann die Flaschen stehenlassen und so zum positiven finanziellen Ergebniss des Probensaaleigentürmers beitragen.

    • Klingt plausibel. Und die Idee mit dem Leergutumzug finde ich großartig quasi eine „Pfandparade“.

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