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Dornröschen

Die Geschichte ist weltberühmt, tausendfach nacherzählt und verfilmt worden – und doch nur ein Märchen, eine Sage, welche bereits in ihrer französischen Version 1697 erstmals erschien und von den Gebrüdern Grimm 1812 in deutscher Sprache veröffentlicht wurde: Dornröschen.

Für alle, die jetzt nicht mehr genau wissen, um was es da eigentlich geht, hier eine kurze Zusammenfassung: Nach Dornröschens Geburt geben ihre Eltern (von Beruf König und Königin) ein Fest und laden zwölf weise Frauen (zum Teil auch Feen genannt) ein. Eine dreizehnte Dame darf nicht kommen, da die stolzen Eltern leider nur ein 12er-Service besitzen und man sich nicht die Blöße geben wollte, dieser einen Pappteller vorzusetzen. Die Dreizehnte erscheint aber doch, verflucht das Kind (was ja nun wirklich am wenigsten für das ganze Dilemma kann) und verschwindet wieder. Der Fluch besagte, dass sich Dornröschen an ihrem 15. Geburtstag an einer Spindel stechen wird und daran stirbt.

Die zwölf geladenen Feen wandeln den schlimmsten Teil des Fluches (also den Tod des armen Mädchens) in einen 100-jährigen Schlaf um, da im Fernstudium zur staatlich geprüften Fee das Aufheben von Todesflüchen nicht ausreichend behandelt wurde und man daher nur den Fluch ersetzen kann. Die zwar noch immer stolzen, aber dennoch zutiefst verängstigten Eltern lassen sämtliche Spindeln im Reich verbrennen und der Fluch gerät in Vergessenheit. An ihrem 15. Geburtstag entdeckt die Prinzessin in einem Turm eine alte, spinnende Frau und bittet diese, ihr das Spinnen beizubringen. Dabei sticht sie sich (natürlich) an der Spindel und fällt (seltsamer Weise mit allen anderen Personen im Schloss) in einen 100-jährigen Schlaf. Eine Dornenhecke verwehrt allen Außenstehenden den Zutritt, verwandelt sich aber nach 100 Jahren in eine Rosenhecke. Dass die auch Dornen hat, wird im Märchen verschwiegen… Eine mutiger Prinz (natürlich ein Prinz und kein Bauer oder sonst wer) dringt an Dornröschens 115. Geburtstag durch diese Rosen in das Schloss ein und küsst die Prinzessin wach. (Theoretisch wäre sie ja bei Ablauf des Fluches sowieso aufgewacht, aber lassen wir die Spekulationen darüber…) Gleichzeitig erwachen auch alle anderen schlafenden Personen. Am Ende heiraten der namenlose Prinz und Dornröschen. (Natürlich, was denn sonst?!)

Vor einiger Zeit erfuhr ich, dass das Märchen von Dornröschen und meine eigene Lebensgeschichte gewisse Parallelen aufweisen. Denn an meinem 28. Geburtstag, dem 21.12.2012, soll laut Maya-Kalender die Welt untergehen. Mir werden also exakt 13 Jahre mehr als Dornröschen gewährt.

13 – da ist diese Zahl schon wieder. Sie durchzieht das Märchen und mein Leben. Meine Mutter hat am 13. eines Monats Geburtstag. Wenn man mein Geburtsdatum um mathematische Zeichen erweitert und die Ergebnisse hinereinander schreibt erhält man 13 (2-1=1, 1+2=3). Eigentlich sollte ich am 17. geboren werden, war also vier Tage zu spät – 17-4=13. An einem 13. habe ich geheiratet. Und nun soll ich 13 Jahre älter werden als Dornröschen.

Betreiben wir doch einmal ein wenig Ursachenforschung: Was könnte passiert sein, als ich geboren wurde? (Es muss ja mit meiner Geburt bzw. einem begrenzten Zeitraum danach zu tun haben.)

Kurz nach meiner Geburt wurde Weihnachten gefeiert. Ich verbrachte einige entspannte Tage mit meiner Mutter in einer hannoverschen Klinik und mein Vater absolvierte allein sämtliche Verwandten-Besuche. Er bekam drei Tage lang hintereinander in drei unterschiedlichen Haushalten Pute mit Rotkohl und Klößen kredenzt. Vielleicht liegt hierin bereits des Fluches Grund: Die stete Wiederholung des gemeinsamen Essens löste eine Störung im Raum-Zeit-Kontinuum aus und der Countdown begann. Vielleicht waren auch bei allen Essen immer zwölf Personen anwesend (das kann ich heute aber nicht mehr überprüfen) und meine Mutter wäre die 13. gewesen, durfte also deshalb nicht aus der Klinik entlassen werden.

Aber eigentlich muss das, was meine Eltern getan oder erlebt haben, etwas weitaus schlimmeres gewesen sein, als das, was Dornröschens Eltern passierte. Denn wenn man durch die Abwesenheit einer einzelnen Person sterben bzw. letztlich 100 Jahre schlafen muss, was muss man dann getan haben, dass gleich die ganze Welt untergeht? Dornröschen ist ein Witz gegen mein Schicksal!

Wer die Antwort weiß, möge mir diese mitteilen – wir haben ja noch ein paar Tage bis zum Ende der Welt und so sterben wir wenigstens nicht unwissend.

Veröffentlicht in Steinschlag

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