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Die Fliege

sssssSSSSSSSSSSSSsssssss…. Plock!

Eine Fliege fliegt an meinem Kopf vorbei und mit viel Schwung gegen die Fensterscheibe. Das macht sie schon eine Weile. Durch irgendein offenes Fenster muss sie ihren Weg ins Haus gefunden haben und versucht nun, durchs geschlossene Wohnzimmerfenster wieder nach draußen zu kommen. Die daneben offenstehende Terrassentür ignoriert sie bei ihrem Fluchtversuch geflissentlich.

sssssSSSSSSSSSSSSsssssss…. Plock!

Eigentlich wollte ich gerade beten, mit Gott reden, etwas bei ihm abladen. Eigentlich. Denn obwohl es im Haus ruhig ist – die Kinder sind gerade draußen unterwegs – komme ich nicht zur Ruhe. Zu viele Gedanken schwirren mir im Kopf rum und ich kann mich nicht konzentrieren.

sssssSSSSSSSSSSSSsssssss…. Plock!

„Doofe Fliege“, denke ich, während ich mit geschlossenen Augen auf dem Sofa sitze. Noch immer kann ich keinen klaren Gedanken fassen.

Ich höre, wie im Keller die Waschmaschine in den Schleudergang startet. Die Spülmaschine in der Küche mischt sich schlürfend ein, nur um kurz danach mit einem lauten „Piep – Piep – Piep“ kund zu tun, dass sie nun fertig sei. Irgendwo in der Nachbarschaft schmeißt jemand seinen Rasenmäher an.

sssssSSSSSSSSSSSSsssssss…. Plock!

Der Briefkasten klappert. „Ah, unsere Post ist da“, denke ich schmunzelnd, während der Postbote die Eingangstreppe wieder runter stapft. Dieser Spruch ist bei uns zum geflügelten Wort geworden, nachdem er mal vor einigen Jahren in einer Fernsehwerbung für die Deutsche Post eingesetzt wurde.

Mein Gehirn, gerade sowieso abgelenkt, beginnt eine innerliche Aufgabenliste für die nächsten Stunden zu erstellen: Wäsche aufhängen, Geschirr wegräumen, Post reinholen, Rechnungen bezahlen, Rasen mähen, Essen vorbereiten, Fliegenklatsche kaufen. Entnervt öffne ich wieder die Augen. Irgendwie habe ich doch nicht in Ruhe mit Gott reden können.

Wie gut, dass Gott uns kennt und weiß, was uns auf dem Herzen liegt – egal ob wir es aussprechen oder nicht. So wie es in der einem Cartoon von Hauck & Bauer zu sehen ist: Da sitzt ein Mann in einer Kirche, hat die Hände gefaltet und die Augen geschlossen. Er beginnt zu Beten: „Lieber Gott.“ Dann scheint er keine Worte zu finden und endet mit einem resignierten „Naja, du weißt ja. Amen.“

Gott weiß ja. Genau. Gott sei Dank – im wahrsten Sinne des Wortes.

Und ich schaue jetzt, ob ich diese Fliege aus dem Raum scheuchen kann.


Dieser Artikel erschien zuerst im Magazin „miteinander.leben“ der Diakonie Himmelsthür, Ausgabe September 2022.

Veröffentlicht in Glaubensimpulse

Bildquellen

  • Fliege: Rob Pumphrey on Unsplash

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