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Das spar‘ ich mir

Früher war der 30. Oktober ein Feiertag. Also zumindest für uns Kinder. Denn am 30. Oktober war Weltspartag.

Stolz trugen wir unsere Spardose zur Sparkasse, ließen sie in einem heiligen Moment vom Mann am Schalter mit dem Schlüssel öffnen (jenem Schlüssel, den nur die Sparkasse hatte) und zählten gemeinsam mit ihm die variabel ausfallende Zahl an Münzen, die aus der Spardose heraus purzelten. Abschließend gab es dann noch ein kleines Geschenk vom netten Mann am Schalter – quasi als Ausgleich dafür, dass er jetzt unser Geld hatte.

Früher.

Wenn wir mal Geld ausgeben wollten, weil zum Beispiel ein cooles, neues Lego-Ding auf dem Markt gekommen war und es bis zum Geburtstag oder Weihnachten einfach noch viel zu lange dauerte, dann gingen wir würdevoll mit unserem kleinen roten Büchlein zur Sparkasse, füllten mit Mama einen Zettel aus und ließen uns dann das Geld vom Mann am Schalter auszahlen, während unser kleines Sparbuch noch flink in den Drucker geschoben wurde, der speziell auch in Sparbücher drucken konnte – wohlgemerkt immer an der richtigen Stelle. Mit diesem Geld ging es dann in die großen Kaufhäuser dieser Welt, wo wir selbst mit unserem eigenen Geld dieses neue Lego-Dings kauften und stolz damit zurück nach Hause liefen.

Früher.

Heute haben Kinder bereits richtige Konten, auf welche die liebe Verwandtschaft direkt das Geld überweisen kann. Das macht es häufig ja auch wirklich einfacher. Manche Kinder haben sogar mehrere Konten bei unterschiedlichen Geldhäusern, weil irgendjemand der Ansicht war, dass man doch für das Kind noch ein Konto einrichten und gleich auch mit Geld bestücken könnte. Und wenn die Kinder etwas haben möchten, dann bestellt man es flink im Internet. Wenn man dran denkt, bucht man dann noch bei Gelegenheit das Geld vom Konto des Kindes auf das Konto der Eltern und schon sind alle glücklich.

Wirklich? Sind wir dann glücklich?

Ich wage zu bezweifeln, dass dieses Verfahren wirklich so ideal ist. Der Nachteil bei unserer digitalen Welt mit digitalen Einkaufsmöglichkeiten und digitalem Geld liegt ja auf der Hand – oder eben auch nicht, denn „auf der Hand“ liegt maximal noch das Smartphone: Wir verlieren den Bezug zum Geld.

Mir fällt das auch bei mir selbst auf: Einmal im Monat füllt sich das Girokonto wie von Geisterhand und lange bevor das nächste Mal Geld kommen sollte, zeigen die Zahlen in der Online-Banking-App bereits eine rote Zahl an. Und irgendwann geht der Spaß wieder von vorne los. Ich zahle fast alles per Überweisung oder mit Karte. Selbst unsere Kinder bekommen am Geburtstag per Dauerauftrag Geld auf ihre Konten überwiesen. Aber ist das gut so?

Das Gefühl dafür, dass Geld etwas ist, dass man haben muss um es überhaupt ausgeben zu können, haben wir nicht mehr wirklich, oder? Wenn wir alles in bar bezahlen und auch unsere Arbeitgeber uns wieder die Lohntüte aushändigen würden – wäre dann eine Überschuldung so vieler Haushalte nicht nahezu unmöglich oder aber wenigstens deutlich erschwert? Wir könnten dann zumindest nur das ausgeben, was wir auch wirklich in der Tasche hätten.

Wie vermitteln wir unseren Kindern heute den Bezug zum Geld? Unsere Kinder haben auch (noch) Spardosen, in denen unter anderem die Großeltern ab und an mal etwas reinstecken. Häufig auch gemeinsam mit den Kindern, die dadurch lernen, dass in ihrer Spardose jetzt wieder eine weitere Münze klappert. Und wenn eines der Kinder unbedingt dieses eine tolle Buch haben will? Dann nimmt man gemeinsam mit dem Kind das Geld aus der Spardose, geht in den betreffenden Laden und lässt das Kind dieses eine tolle Buch kaufen. Kinder merken sich so etwas. Das Buch ist dann nicht nur ein Geschenk, sondern sie verbinden damit ein Erfolgserlebnis: Ich habe mir dieses Buch selbst gekauft von meinem eigenen Geld.

Trotzdem: Durch die immer weiter voranschreitende Digitalisierung der Geldströme in unserem privaten und beruflichen Umfeld wird es immer schwieriger, einen realen Bezug zum Geld zu halten. Geld besteht auch heute hauptsächlich nur noch aus irgendwelchen Zahlen auf Bildschirmen und Kontoauszügen. Ich selbst finde diese Entwicklung an sich ziemlich cool und hilfreich – merke aber (wie bereits beschrieben) auch selbst, dass mir das Gefühl für die Menge Geld auf meinen Konten verloren geht. Es sind eben nur noch Zahlen.

Wäre es nicht schön, wenn wir wieder diese Weltspartag-Magie spüren könnten? Vielleicht nicht beim Ausgeben des Geldes – das wäre dann wohl doch etwas übertrieben. Aber wie wäre es denn, wenn uns die Bank immer dann ein Kuscheltier zuschickt, wenn das Gehalt eingeht? Eigentlich doch ganz heimelig, oder? So wie früher…

Veröffentlicht in Steinschlag

Titelbild: © WerbeFabrik / Pixabay.com

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