Bananen

Werter Herr Trump,

vermutlich lesen Sie nicht meinen kleinen, unbedeutenden Blog, dennoch muss ich da mal ein paar Worte an Sie richten.

Ich habe drei kleine Söhne, die alle gerne Bananen essen. Nun hatten wir neulich leider nur noch zwei Bananen zu Hause, alle drei wollten aber gern eine Banane essen. Während sich zwei der drei Söhne bereits am Obstkorb bedienten, die Bananen schälten und genüsslich die gelbe Frucht mampften, stand der andere weinend daneben. Warum? Seine Brüder dachten nur an sich selbst und nicht daran, dass, wenn sie jeder jeweils ein kleines Stück abgeben würden, alle drei in etwa gleich viel Banane essen könnten.

Nun fragen Sie vielleicht zurecht, warum ich Ihnen diese alltägliche kleine Familiengeschichte erzähle. Der Grund liegt in Ihrem Auftritt vor den Vereinten Nationen am gestrigen Dienstag.

Das Lesen, Hören und Sehen von Nachrichten-Meldungen ist für mich meist eine recht emotionslose Sache. Vielleicht auch, weil ich mittlerweile recht abgehärtet bin. So machen Naturkatastrophen und schlimme Unfälle zwar betroffen, letztlich ist man ja aber froh, dass wir hier in unserem heimeligen Deutschland selten persönlich betroffen sind. Die Unberechenbarkeit von Terror-Anschlägen oder anderer, sinnentleerter Gewaltorgien machen zwar rudimentär Angst, aber ich kann mich davor auch nicht schützen. Kriege, seien es Konflikte zwischen ethnischen, nationalen oder religiösen Gruppen, finde ich immer besorgniserregend, bin aber auch zugleich dankbar, dass hier in der Mitte Europas seit vielen Jahrzehnten ein stabiler und belastbarer Frieden herrscht.

Womit wir auch schon direkt beim Thema wären: Diese (historisch betrachtet) lange Friedensphase hat ihre Ursache in einem wichtigen Punkt: Zusammenarbeit. Nur weil es die Nationen Europas (aber nicht nur da) nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg verstanden haben, dass Frieden nur durch die Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen zu halten ist und sich einig waren, dass die Gräuel der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sich niemals wiederholen dürfen, herrscht Frieden.

Als ich gestern auf der Heimfahrt vom Büro im Radio hören musste, welchen Stuss Sie da vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen von sich gegeben haben, bin ich das erste Mal beim Hören von Nachrichten wirklich wütend geworden. Mit welcher Dreistigkeit Sie sich vor ein Gremium stellen, dass gegründet wurde, um weltweit Frieden herzustellen und zu sichern, und dort die Kleinstaaterei und den Nationalismus fordern, weil es nur so jeder Nation besser gehen würde, macht mich traurig und zornig zugleich. Denn es zeigt, dass Sie aus der Geschichte wohl tatsächlich nichts gelernt haben und auch nichts lernen wollen.

Ein paar Beispiele: Nur weil Hitler Deutschland über alle anderen Nationen stellte, brach der Zweite Weltkrieg aus. Nur weil die Spanier und Portugiesen (und später übrigens auch die Engländer, Franzosen und viele weitere mehr) nur ihren eigenen Profit im Blick hatten, töteten Sie auf dem amerikanischen Kontinent unzählige Menschen, die dort bereits seit vielen Jahrhunderten lebten. Und nur weil ich nur zwei Bananen zu Hause habe, zanken sich meine drei Söhne so lange darum, bis einer weint, weil ihm keiner was abgeben will.

Der Gedanke „erst ich, dann vielleicht die anderen“ hat noch nie in der Geschichte der Menschheit dazu geführt, dass irgendwo auf der Welt Frieden herrschte.

Gleichzeitig führen Sie Ihre eigene Argumentation aber ad absurdum, in dem Sie zwar fordern, dass doch bitte jede Nation den „America First“-Gedanken für sich aufgreifen sollte, gleichzeitig aber anderen Staaten es absprechen, so zu denken, sofern diese womöglich Ihr eigenes Land bedrohen könnte. Diese Gedankenführung ist nicht nur grotesk und widersprüchlich, sie ist auch gefährlich und dumm.

Wenn ich in meinem Land Frieden haben möchte, dann muss ich doch auch anderen Ländern diesen Frieden zugestehen. Wenn ich anderen Ländern drohe, dann kann und darf es mich nicht wundern, wenn diese ebenfalls drohende Worte an mich richten. Und wenn ich ein anderes Land angreife, dann ist es nur natürlich, wenn sich dieses Land verteidigt und womöglich mein eigenes Land ebenfalls angreift.

Frieden basiert auf Gegenseitigkeit, Vertrauen, Kommunikation und Zusammenarbeit. Wenn wir alle etwas von unserer Banane abgeben, dann haben am Ende alle Menschen auf der Welt etwas davon. Wenn wir aber anderen nur sagen „Das ist meine Banane. Wenn du eine haben willst, dann besorg dir selber eine.“, dann werden wir es nie schaffen, dass alle Menschen glücklich, in Frieden und Freiheit leben können. Und das, werter Herr Trump, haben sogar meine Söhne begriffen, indem sie (nach ein wenig elterlicher Beratung) dann doch noch die zwei Bananen fair geteilt haben.

Ihr

Sebastian Stein

Veröffentlicht in der Kategorie Steinschlag. | Schlagwörter: , , , , ,

Titelbild: © GabiSanda / Pixabay.com

Sebastian

Über Sebastian bzw. "Ich über mich":

Seit 2007 schreibe ich an diesem Blog - mal mehr, mal weniger konsequent. Ich bin Christ, Familienvater (1 Frau, 3 Söhne) und mache beruflich "irgendwas mit Medien" im sozialen Bereich.

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