Lukaskirche Hannover

Als Kinder sind wir mit unseren Eltern nahezu jeden Sonntag im Gottesdienst gewesen. Das war für uns völlige Normalität. Da wir dort auch im Kindergarten waren, entstand so eine intensive Bindung zu diesem Gebäude und zu Teilen der Gemeinde.

Wir Kinder sind natürlich immer nur einen Teil des Gottesdienstes in der Kirche geblieben, denn wir hatten mit dem Kindergottesdienst dann ja unser eigenes Programm. Ich erinnere mich lustigerweise, dass wir uns da mal mehrere Wochen lang mit Paul Gerhards Klassiker „Geh aus mein Herz“ beschäftigt haben – das aber nur am Rande.

Die Lukaskirche in Hannover verfügt über einen mehr oder weniger modernen Nachkriegsbau, da sich der Wiederaufbau nach dem Krieg nicht gelohnt hätte. Das Kirchenschiff ist letztlich nur ein großer, weißer Schuhkarton, bei dem an der kürzeren Seite über die gesamte Breite der leicht erhöhte Altarbereich zu finden ist. Hinter dem schlichten Altar befindet sich ein riesiges Altarbild, das die Geschichte vom verlorenen Sohn zeigt (genauer: seine Rückkehr zum Vater). Links im Altarraum steht das weiße Lesepult und rechts – tja, rechts steht so ein weißer Kasten.

Ich habe als Kind nie den Sinn dieses Kastens hinterfragt. Wozu auch? Der Gottesdienst begann, am Lesepult wurde die Begrüßung gemacht, vielleicht noch eine Lesung und dann startete für uns der schöne Teil: der Kindergottesdienst. Aber dieser nutzlose, weiße Kasten stand da halt rechts im Altarraum. Wozu auch immer, das war mir als Kind unbekannt und auch völlig egal. Manchmal, wenn der Gottesdienst zu langweilig wurde, habe ich diesen Kasten betrachtet und darüber nachgedacht, wozu der wohl gut sein könnte. Ich kam aber nie zu einem Ergebnis.

Als ich acht Jahre alt war zogen wir innerhalb Hannovers um, gingen in eine andere Kirche und der Kontakt zu meiner ersten „Kindheitskirche“ schlief weitestgehend ein.

Als ich ca. 15 Jahre später wieder einmal in dieser Kirche war, um dort aushilfsweise Orgel im Heiligabend-Nachtgottesdienst zu spielen (manch ein loser Kontakt war eben doch noch da), erinnerte ich mich wieder an diese kindliche Unwissenheit und natürlich war mir sofort klar, was ich damals mit Unverständnis betrachtet hatte: Es handelte sich um den Ort innerhalb der Kirche, von der aus der Pastor die Predigt hielt, also die Kanzel.

Die Kanzel habe ich als Kind vermutlich nie bewusst in Aktion gesehen. Bei der Predigt waren wir Kinder schon raus aus der Kirche. Deshalb war sie für mich eben nur ein nutzloser, weißer Kasten, der da irgendwo in der Kirche rumstand.

Wäre das womöglich anders gewesen, wenn uns Kindern der Gottesdienstraum mit all seinen Eigenheiten erklärt worden wäre? Vermutlich nicht. Denn es wäre eine eher unwichtige Information für mich als Kind gewesen, die ich wohl schnell wieder vergessen hätte. Das ist aber auch nicht schlimm. Denn gestört hat mich dieses Unwissen als Kind  ja anscheinend auch nicht, sonst hätte ich wohl jemanden gefragt.

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Titelbild: © Lukaskirche Hannover

Sebastian

Über Sebastian bzw. "Ich über mich":

Seit 2007 schreibe ich an diesem Blog - mal mehr, mal weniger konsequent. Ich bin Christ, Familienvater (1 Frau, 3 Söhne) und mache beruflich "irgendwas mit Medien" im sozialen Bereich.

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