Das war ja mal interessant gestern. Und das man etwas ändern muss, wissen nun auch alle.
Natürlich meine ich den 52. Eurovision Song Contest gestern abend in Helsinki.
Wie jedes Jahr gab es Auftritte von „Gut, dass Helsinki weit weg ist, sonst würde ich einen größeren Abstand bevorzugen!“ bis hin zu „Richtig tolle Musik!“.

Es war das erste Mal, das ich mit meiner Stimme bei der Abstimmung so miserabel daneben lag. Meine Persönlichen Favoriten waren „Bonaparti.lv“ aus Lettland. Eine Gruppe von sechs 1A-Sängern, die eine wunderschöne Ballade sangen. Denen gab ich meine Stimme und war leicht entsetzt, dass ich anscheinend der Einzige aus Deutschland gewesen war, der die Nummer gut gefunden hatte.
Am Ende lagen die Jungs immerhin auf Platz 16 – hatten aber fünf Punkte mehr als Roger Cicero. Der swingende Deutsche (eigentlich wollte ich „der deutsche Swinger“ schreiben – klang dann aber doch zu zweideutig…) landete nur auf Platz 19. Was bestimmt nicht an ihm lag. In meinen Ohren war das der beste Auftritt eines Deutschen beim ESC seit Max 2204 „Can't Wait Until Tonight“ schmachtete. (Zur Erinnerung: 93 Punkte und Platz 8!) Von den Punkten her betrachtet, war er sogar besser als „Texas Lightning“ 2006 (36 Punkte).
Aber es reichte dann wohl doch nicht um gegen die wunderschöne Ballade „Molitva“ (Gebet) der Serbin Marija Šerifovic zu bestehen, die (ganz nebenbei bemerkt) vollkommen verdient gewann.
Nun mögen böse Zungen behaupten, dass sich die ehemaligen Teile Jugoslawiens gegenseitig die Punkte zugeschustert hätten (dem ist auch so!), allerdings kann man es nicht nur darauf zurückführen. Auch wir bekamen kräftig Punkte von unseren Nachbarn. Aber Serbien bekam von fast allen Teilnehmern Punkte – wir nicht.
Allerdings ist es schon auffällig wie die Balkanstaaten und auch die ehemaligen Bruderstaaten der Sowjetunion sich Punkte schenken. Trotzdem kann man nur schwer sagen, die „Wessis“ in der European Broadcasting Union (EBU) würden benachteiligt werden. Schließlich nehmen viele Westeuropäische Länder teil, nur verpatzten diese in Helsinki das Halbfinale.
Die Zeiten, in denen über tanzende Kosaken beim ESC gelächelt wurde sind definitv vorbei. Der Osten nimmt den Wettbewerb weitaus ernster als es bei uns im Westen geschieht. Das Resultat sieht man an den Liedern und den daraus resultierenden Ergebnissen: England belgte mit einer furchtbar peinlichen Nummer (die vor allem furchtbar war) den vorletzten Platz im Finale, dazu gesellen sich Frankreich auf Platz 22 (mehr peinlich als furchtbar) und der Rekordsieger Irland (sieben Siege u.a. von 92-96 vier mal) auf dem letzten Platz.
Als es zur Abstimmung ging hatte ich drei Favoriten und alle waren jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs: Ungarn (die eine wunderschöne Bluesnummer ins Rennen geschickt hatten und letztendlich auf dem neunten Platz landeten), Lettland und eben Serbien.
Um bessere Ergebnisse beim ESC zu erzielen, fände ich es aber auch wichtig, dass man in Deutschland wieder einen richtigen Vorentscheid einführt. Für mich war auch dieses Jahr Roger Cicero das kleinste Übel, dass man nach Helsinki schicken konnte. Das Lied von Monrose war viel zu stark Allerweltspop und hätte sich mit Großbritannien um den letzten Platz gestritten, Heinz Rudolph Kunzes Beitrag wäre nicht verstanden worden, weil zu uneingängig und Roger Cicero… Na ja. Ich mochte das Lied nicht sofort. Erst nach mehrmaligem Hören war ich immer mehr und mehr begeistert von der Nummer. Einziger Haken an der Geschichte: Bein Finale in Helsinki hört ganz Europa nur einmal das Lied. Dann wird abgestimmt. Da kann man glaub ich niemandem erklären, dass unser Beitrag erst beim dirtten Mal gut wird.
Der NDR tät gut daran sich bei Stefan Raabs „Germanvision Song Contest“ zu bedienen. 16 Teilnehmer, jeder mit quasi der gleichen Chance. Der Sieger könnte sich damit schmücken Deutschlands bestes Lied zu haben und dürfte damit dann Schwarz-Rot-Gold vertreten.
Man wird sehen, wie es nächstes Jahr enden wird.

Sebastian

Über Sebastian bzw. "Ich über mich":

Seit 2007 schreibe ich an diesem Blog - mal mehr, mal weniger konsequent. Ich bin Christ, Familienvater (1 Frau, 3 Söhne) und mache beruflich "irgendwas mit Medien" im sozialen Bereich.

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